Haus & Grund Frankfurt
am Main e. V.
Grüneburgweg 64
60322 Frankfurt am Main

Tel.: 069 - 95 92 91 - 0
Fax: 069 - 95 92 91 - 11

Menü
Topthemen

23.02.2021

Die Wohnraumoffensive ist ausgeblieben – In Frankfurt wird der Wohnungsmangel weiterhin zu langsam abgebaut und der Zugang zu privatem Wohneigentum unnötig erschwert

Haus & Grund zieht kritische Bilanz der Wohnungspolitik

Der Eigentümerverband Haus & Grund hat anlässlich der Veranstaltung „Wohnraumoffensive“ von Bund, Ländern und Kommunen eine kritische Bilanz der Wohnungspolitik der vergangenen vier Jahre gezogen. „Leider hat sich die Bundesregierung auf die Verwaltung des Wohnraummangels beschränkt. Sie hat es vollständig versäumt, Privatpersonen zu ermuntern, Mietwohnraum anzubieten“, sagte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke heute in Berlin. Zunehmende Mietenregulierung, staatliche Wohnraumlenkung sowie steigende Bürokratielasten führten dazu, dass sich das Vermieten für viele private Kleinvermieter nicht mehr lohne.

„Die Versäumnisse der Bundesregierung in der Wohnungspolitik werden durch die Frankfurter Kommunalpolitik zusätzlich verschärft. Der Frankfurter Wohnungsmarkt hat sich in den letzten Jahren weiter angespannt. Der Mangel an Bauflächen und die zunehmenden Regulierungen durch Bund, Land und Stadt hindern besonders Privatpersonen daran, sich Wohnungen in Frankfurt und im Umland leisten zu können. Immobilien als Kapitalanlage zur privaten Altersvorsorge werden für immer mehr Menschen unerschwinglich. Deshalb sind bessere Rahmenbedingungen für privates Wohneigentum dringend nötig. Davon profitieren insbesondere auch Mieter, denn private Vermieter erweisen sich in beinahe allen Umfragen als der beliebteste Vermietertyp. Gerade auch bei der Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie beweisen die privaten Eigentümer abermals ihr Verantwortungsbewusstsein für den Wohnungsmarkt. In unzähligen Fällen finden private Vermieter zusammen mit ihren Mietern konstruktive Lösungen. Davon profitieren die Mietverhältnisse von Wohnungen, Geschäftsräumen und Ladenlokalen“, ergänzt Jürgen Conzelmann, Vorsitzender von Haus & Grund Frankfurt am Main e.V.

Conzelmann verweist darauf, dass die Bundesregierung in der auslaufenden Wahlperiode beispielsweise die Mietpreisbremse verlängert sowie Modernisierungsmieterhöhungen und die Umlage von Betriebskosten eingeschränkt hat. „Solche Maßnahmen reduzieren die teilweise ohnehin nur geringe Wirtschaftlichkeit von langfristigen Mietverhältnissen. Außerdem wurde die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen verboten. Dadurch wird ausgerechnet das Angebot besonders günstiger Eigentumswohnungen in älteren Häusern enorm verkleinert. Bei dieser Überregulierung und einseitigen Lastenverschiebung auf dem Wohnungsmarkt darf sich niemand wundern, dass sich immer weniger Privatpersonen Wohneigentum leisten können. Es führt auch dazu, dass immer mehr private Eigentümer die Vermietung aufgeben und ihre bisher oft sehr günstigen Mietwohnungen an professionelle Investoren verkaufen. Diese Investoren agieren dann profitmaximierend und weniger kooperativ als  private Eigentümer“, mahnt Conzelmann. „Ein gesichtsloser Mietwohnungsmarkt hat nichts mehr mit dem jahrzehntelang bewährten Anbietermix aus Privatpersonen, privaten und kommunalen Wohnungsunternehmen sowie Genossenschaften zu tun“ sind sich Warnecke und Conzelmann einig.

„Momentan sehen wir beinahe täglich, wie schwer es gerade auch der Frankfurter Stadtpolitik fällt, neue Baugebiete erfolgreich zu planen und damit das Wohnungsangebot maßgeblich zu vergrößern. Kern der Probleme am Frankfurter Wohnungsmarkt ist und bleibt der Wohnungsmangel und der Mangel an neuen Bauflächen. Hier hat der Wohnungsgipfel der Bundesregierung keinerlei Besserungen für Frankfurt gebracht. Deshalb wünschen wir uns mehr Engagement der lokalen Politik. Gerade im laufen Kommunalwahlkampf brauchen wir ein klares Bekenntnis möglichst aller Parteien zur Entwicklung neuer Bauflächen und zu mehr Wohnungsbau – und zwar für Mieter und Eigentümer. Der Bau der Günthersburghöfe, die Bebauung im Frankfurter Norden links und rechts der A5, das Bauvorhaben am Pfingstberg und die Entwicklung weiterer innerstädtischer Flächen müssen sowohl planerisch als auch wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt werden. Denn: Nur durch mehr Wohnungsbau können Mieten und Kaufpreise wirkungsvoll gedämpft und dringend benötigter bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden“, fasst Conzelmann zusammen.

Haus & Grund-Präsident Warnecke erinnert abschließend daran, dass der Gebäudesektor vor enormen Herausforderungen steht: Bis 2050 müsse der Bestand klimaneutral umgerüstet sein. Zudem erfordere die weiter alternde Gesellschaft riesige Investitionen in die vorhandenen Gebäude. Phrasen wie „Keine Rendite mit der Miete!“ seien hierbei mehr als verantwortungslos. Die nächste Bundesregierung müsse zu einem Interessenausgleich zwischen Mietern und Vermietern zurückfinden. „Ansonsten werden wir lange auf Entspannungen auf dem Wohnungsmarkt warten müssen“, gab er zu bedenken.